Hands up – Die Welt der Gebärden

Die Gebärdensprache ist vielen ein Begriff. Genutzt wird die Sprache, laut Schweizerischem Gehörlosenbund, jedoch von nur 20’000 Menschen in der Schweiz. Was ist die Geschichte der Gebärdensprache und wie funktioniert Gebärde? Ein Überblick.

Neben den Händen bedient sich die Gebärdensprache auch der Mimik und Gestik. (Bild: Shutterstock)

Rund 70 Millionen gehörlose Menschen gibt es weltweit. Also etwa ein Prozent der ganzen Weltbevölkerung. Laut dem Schweizerischen Gehörlosenbund (SGB-FSS) gibt es 10’000 gehörlose Menschen in der Schweiz. Ungefähr eine Million Menschen leben mit einer Hörbehinderung. Der Unterschied zwischen einer Hörbehinderung und einer Gehörlosigkeit ist laut der Zeitschrift Beobachter, dass bei einer Gehörlosigkeit der Hörsinn vollständig ausgefallen ist. Geräusche und Töne können also nicht, oder wenn dann nur ganz ganz schwach, wahrgenommen werden. Unter einer Hörbehinderung versteht man hingegen schon eine kleine Beeinträchtigung des Hörvermögens. Damit sich hörbehinderte Menschen und vor allem gehörlose Menschen verständigen können, nutzen sie die Gebärdensprache. Mit der Gebärdensprache können sie untereinander sowie mit nicht betroffenen Menschen kommunizieren.

Ein langer Weg

Die Gebärdensprache hat, wie die gesprochenen Sprachen, eine lange Geschichte hinter sich. Der SGB-FSS schreibt, dass sich die ersten schriftlichen Hinweise zur Gebärdensprache in der griechischen Antike finden lassen. Bis zur Aufklärung wurde ihr aber nicht der Status einer wirklichen Sprache anerkannt. Forschende gehen davon aus, dass sich die Gebärdensprache über das Mittelalter und die Renaissance natürlich weiterentwickelt hat. Ab dem 16. Jahrhundert wurden dann erstmals Kinder in Gebärdensprache unterrichtet. 1880 am Mailänder Kongress erlitt die Gebärdensprache einen harten Rückschlag – Es wurde beschlossen, sie aus dem Klassenzimmer zu verbannen. Das Verbot dauerte 100 Jahre und es folgte eine Unterdrückung der Gebärdensprache und ihren Nutzer*innen. Knapp ein Jahrhundert später begann sich das Blatt langsam wieder zu wenden. Durch die 68er-Bewegung wehrten sich Betroffene gegen die Unterdrückung und forderten die Anerkennung ihrer Sprache. Das Bewusstsein wuchs auch auf Seiten der Regierung und der Unterdrückung wurde schrittweise entgegengewirkt. Seit 2000 ist die Gebärdensprache in mehreren Ländern offiziell anerkannt und in der Gesellschaft grundsätzlich akzeptiert. 

In der Schweiz ist die Gebärdensprache noch nicht offiziell als Sprache anerkannt. Dies, obwohl die Gebärdensprache eine vollwertige Sprache ist und ihre eigene Grammatik hat. Braem schreibt in ihrer Arbeit «Einführung in die Gebärdensprache und ihre Erforschung», dass in Gebärden, gleich wie in der gesprochenen Sprache, bestimmt werden kann, wer beispielsweise Handelnder eines Satzes ist oder ob es sich um einen oder mehrere Gegenstände handelt. Die Gebärdensprache kann in fünf Komponenten aufgeteilt werden: die Handform, die Handstellung, die Ausführungsstelle und die Bewegung sowie die mimischen Expressionen, inklusive der Kopf- und Körperhaltung. Wird einer dieser Komponenten geändert, erhält die Gebärde eine völlig neue Bedeutung, schreibt Heinrich in einem Artikel auf hoerbehindert.ch. Die Mimik und der Körper sind also genauso wichtig, wie in jeder anderen Sprache auch, wenn nicht sogar noch wichtiger.

Verschiedene Dialekte der Gebärde

Die Gebärdensprache ist nicht universell und, wie die gesprochene Sprache, weltweit verschieden. In der Schweiz wird laut dem SGB-FSS zwischen drei Gebärden unterschieden: Der Deutschschweizer Gebärdensprache (DSGS), der Französischen Gebärdensprache (LSF) und der Italienischen Gebärdensprache (LIS). Die Deutschschweizer Gebärdensprache zählt zusätzlich fünf regionale Dialekte: Zürich, Bern, Basel, St.Gallen und Luzern. Gleich wie bei der gesprochen Sprache entwickeln sich Dialekte durch Sprachgemeinschaften. Treffen Gebärdende verschiedener Nationen aufeinander, nutzen sie häufig American Sign Language oder International Signs. 

AUTORIN

Amber Vetter