Ein Einblick in das Interview mit Bernadette und Ronny

Zwei hörende Journalistinnen treffen zum ersten Mal auf zwei gehörlose Personen. Ein Einblick in Bernadette und Ronnys Leben sowie eine gute Portion Selbstkritik.  

Ronnie und Bernadette sitzen auf einer Parkbank und unterhalten sich in Gebärdensprache.
Ronny und Bernadette arbeiten beide beim FsB. (Bild: Aileen Lakatos)

Anstatt in einem Webex-Videocall zu sitzen sind Nuria Spycher und ich, Aileen Lakatos, auf dem Weg zur Fachstelle für Bilinguale Bildung, kurz FsB. Dort treffen wir auf Bernadette und Ronny. Beide sind seit ihrer Geburt gehörlos. 

Für uns ist es das erste Mal, dass wir mit diesem Thema in Berührung kommen. Wir haben uns im Vorhinein so gut wie möglich versucht darauf vorzubereiten. Die FsB hat extra für uns eine Gebärdendolmetscherin organisiert, die uns das Gespräch übersetzen wird. Doch im Interview merken wir schnell – unsere Fragen grenzen die beiden aus. Auf die Frage, wie ihr Alltag aussieht, merken wir schnell, dass er gleich aussieht wie unserer auch. So anders, wie wir im Vorhinein angenommen haben, sind diese zwei Menschen nicht. Das Interview war ein grosses Learning für Nuria und mich. Es ist wichtig, dass wir nicht mehr nach den Unterschieden fragen, sondern die Integration fördern.

Gehörlos in der Schweiz

Bernadette und Ronny, zwei aufgestellte, freundliche Menschen, die uns im Interview einen Einblick in ihr Leben gegeben haben. Beide arbeiten beim FsB, Ronny ist der Stellenleiter und Bernadette unterrichtet Erwachsene in Gebärdensprache. Im Gespräch erzählen sie uns von ihrem Alltag, den Herausforderungen und wie es ist, als gehörlose Person ein Leben hier in der Schweiz zu führen. Für beide ist klar, die Schweiz hinkt im Vergleich zu anderen Ländern hinterher: «Gerade, wenn man uns mit der USA vergleicht, liegen wir hinter ihnen. Wir sind im Rückstand, wenn es um die Finanzierung von Gebärdendolmetscher*innen geht oder um die Anerkennung der Gebärdensprache. Das Berufsbild «Fachperson Gebärdensprache» ist zum Beispiel nicht anerkannt.» Trotzdem wollen die beiden mit keinem tauschen. Als Gehörlose haben sie einige Vorteile. Lachend meint Bernadette, sie könne super schlafen. Ronny hängt ein bisschen ernster an, dass sie ja alles können. «Ich kann auch Autofahren, ich kann auch Reisen, ich kann auch viele verschiedene Sachen machen. Es geht alles, ich kann, ich kann, ich kann. Nur hören kann ich nicht gut».

Erste Berührung mit Gebärde

Bernadette kam erst später mit Gebärdensprache in Berührung. Zu Hause wurde Hochdeutsch gesprochen und sie wuchs mit Lippenlesen auf. «Am Anfang kannte ich die Regeln nicht und habe es einfach spontan gemacht. Erst mit meiner Ausbildung zur Fachperson Gebärdensprache setzte ich mich richtig mit dieser Sprache auseinander». Auch Ronny kannte Gebärdensprache nicht von Anfang an. «Dazumal gab es noch kein Internet, meine Eltern kannten Gebärdensprache nicht. Für sie war klar, dass sie mich lautsprachlich aufziehen würden». Ronny ging normal mit anderen Kindern zur Schule, was zur einen oder anderen stressigen Situation führte. Erst mit einem Wechsel an eine Schule für Schwerhörige kam Ronny mit Gebärden in Kontakt. 

Alltag und Maskenpflicht

Mit Corona sind nochmals neue Herausforderungen für gehörlose Menschen dazu gekommen. Lippenlesen sei durch die Maske unmöglich. Corona hat aber auch etwas Gutes. Das Bewusstsein für Gebärden und Gehörlose wurde gesteigert. Dies durch die Pressekonferenzen, die für Gehörlose übersetzt werden und seit Corona in jedem Wohnzimmer laufen. So findet das Thema plötzlich Einzug in unser zu Hause. 

Wir hörenden Menschen haben Aufholbedarf, wenn es um die Sensibilisierung von dieser Thematik geht. Wir müssen uns noch mehr anstrengen, Gehörlose, Schwerhörige und Hörbehinderte zu integrieren. Wie wir die Kommunikation fördern können, das könnt ihr im Artikel «10 Tipps: So wird die Kommunikation einfacher» lesen. Es liegt nicht an ihnen, sondern an uns Hörenden. 

AUTORIN

Aileen Lakatos