10 Tipps: So wird die Kommunikation einfacher

Wenn hörende und taube Menschen spontan aufeinandertreffen, kann dies im ersten Moment für beide Parteien überfordernd sein. Das muss es nicht! Mit diesen Tipps kannst du als hörende Person die Verständigung um ein Vielfaches vereinfachen und die Hemmschwelle abbauen.

Eine Person unterhält sich in Gebärdensprache.
Das Lippenlesen hilft Gehörlosen die verbale Sprache zu verstehen. (Bild: Pexels)

Tipp #1

Wenn du Kontakt mit einer tauben Person aufnehmen möchtest, achte dich darauf, dass ihr erst den Blickkontakt herstellt. Dies kann beispielsweise durch Winken, ein Klopfen auf den Tisch oder ein Stampfen auf den Boden sein. Auch auf die Schultern tippen ist gängig, jedoch sollte die Annäherung von vorne stattfinden, um niemanden unnötig zu erschrecken. Wenn ihr euch in einem Innenraum aufhält, kann man auch mal kurz den Lichtschalter tätigen, um ein Signal zu geben.

Tipp #2

Lippenlesen ist anspruchsvoll und extrem anstrengend. Trotz voller Konzentration wird oft nur wenig des Gesagten wirklich verstanden. Das Gesprächsthema sollte deshalb erst kurz erläutert werden, damit die gehörlose Person weiss, um was es im Gespräch gehen wird. Auch Fragen sollten mit einem kurzen «Ich frage dich/Sie!» angekündigt werden. Übrigens: «W-Fragen» sind einfacher zu verstehen.

Tipp #3

Der Blickkontakt, den du anfangs des Gesprächs aufgenommen hast, sollte stets beibehalten werden – er ist das A und O in der Unterhaltung mit einer gehörlosen Person! Sonnen- oder Skibrillen deshalb abnehmen. Da der Hörsinn nur beschränkt oder teils ganz wegfällt, geschieht alles auf der visuellen Basis. Achte also darauf, dass du deine Gestik und Mimik bewusst zur Unterstützung des Gesagten verwendest. Deine Sprachmelodie, die du sonst nutzt, fällt weg. Eine taube Person kann anhand des Tonfalls nicht merken, wie du etwas meinst oder ob jemand verärgert ist.

Tipp #4

Das Lippenlesen wird weiter simplifiziert, wenn die Umgebung bzw. vor allem dein Gesicht genügend ausgeleuchtet ist. Im Dunkeln kann man z.B. die Taschenlampe des Mobiltelefons auf das Gesicht leuchten. Weiter ist ein Abstand von mindestens einem Meter nötig.

Tipp #5

Unsere Schweizer Dialekte sind extrem vielfältig und machen es unmöglich, sie anhand von Lippenlesen zu verstehen. Insofern sollte man stets Hochdeutsch sprechen. Das Mundbild sollte währenddessen nicht unnötig verzerrt werden. Auch die übliche Lautstärke kann beibehalten werden, da allfällige Hörgeräte schon auf die passende Umgebungslautstärke angepasst sind. Es hilft, wenn langsam und deutlich gesprochen wird.

Tipp #6

Nimm dir vor Sprechbeginn lieber kurz Zeit, dir Gedanken zu machen, wie du dein Anliegen formulierst. Nutze kurze Sätze, die auf den Punkt gebracht sind. Und vermeide Fremdwörter bestmöglich, sie bringen bloss sinnlose Komplexität.

Tipp #7

Beziehe die gehörlose Person stets in externe Einflüsse oder allfällige Unterbrüche ein. Wenn plötzlich mit einer Drittperson gesprochen wird und man sich abwendet, führt das zu Verwirren. Informiere also kurz, wenn dein Telefon klingelt oder es an der Türe klopft.

Tipp #8

Missverständnisse können vermieden werden, indem man sich gegenseitig versichert, dass man alles verstanden hat. Frag nach, ob es Unklarheiten gibt. Nimm dir dafür Zeit.

Tipp #9

Wenn es Unsicherheiten gibt oder die Umstände eine Unterhaltung nicht zulassen, nimm einen Notizzettel oder das Handy hervor und kommuniziere schriftlich. Vor allem, wenn es um bedeutende Informationen wie Adressen, Daten und Uhrzeiten geht.

Tipp #10

Lerne das Fingeralphabet und Gebärdensprache! Sei es mithilfe von Online-Tutorials oder in einem Kurs eines Vereins – es gibt eine Vielzahl an Angeboten, um diese Sprache zu erlernen. Positiver Nebeneffekt: Um deine neuen Sprachkenntnisse anzuwenden, musst du nicht einmal ins Ausland reisen.

AUTORIN

Nuria Spycher